Tipps und Tricks zum Wildcampen

Wir zeigen euch die Tipps und Tricks fürs Wildcampen in der Stadt sowie der freien Natur.

Der Urlaub steht an und du möchtest raus aus dem Alltag. Du sehnst dich nach einem echten Abenteuer, nach einsamen Sandstränden, blühenden Landschaften, unberührter wilder Natur. 

Wildcampen klingt nach bedingungslosem Abenteuer, Lagerfeuer und Selbstversorgung. Es ist jedoch nicht immer bequem und die Suche nach dem nächsten Platz für die Nacht kann manchmal auch eine große Herausforderung sein.  

Doch bevor du dich jetzt in deinen Van setzt und darauf losfährst, haben wir noch ein paar Tipps für dich. Im Artikel "Wildcamping in Europa" haben wir bereits eine Übersicht erstellt, in welchen Ländern das Freistehen bzw. Wildcampen erlaubt, geduldet oder gar verboten ist. 

Wir selbst planen unsere Reisen auch immer mit regelmäßigen Stellplatzbesuchen oder Aufenthalten an einem Campingplatz. Unabhängig von deinem Reiseziel solltest du beim Wildcamping immer Rücksicht auf die Natur sowie andere Camper nehmen und den Platz, an dem du übernachtest, immer so hinterlassen, wie du ihn vorgefunden hast, oder sogar noch sauberer und ordentlicher als zuvor.

Übrigens, beim Freistehen entscheidet (auch) die Wahl deines Wohnmobils oder ob du Stühle und Tische vor deinem Fahrzeug stehen hast darüber, ob du eine ruhige Nacht bekommst. In Deutschland empfiehlt sich auch, spät anzukommen und früh weiterfahren. Das Jedermannsrecht deckt in den meisten Ländern einen Aufenthalt von zwei Tagen an einem Ort ab. Dann solltest du weiterziehen oder auf jeden Fall die Eigentümer um Erlaubnis fragen.

Unser Tipp: Bei einem Mietfahrzeug bieten sich Kastenwagen oder selbst ausgebaute Campingfahrzeuge für das Wildcampen an, die sind  häufig unauffälliger und können im Dunkeln auch leicht für gewerbliche Fahrzeuge gehalten werden.

Organisation und Vorbereitung

  • Beschäftige dich bereits im Vorfeld mit den Gesetzen und Regeln in deiner Zielregion.
  • Packe dir biologisch abbaubares Spülmittel und Zahnpaste ein 
  • Nutze Facebook-Gruppen, Travel-Blogs und YouTube für Empfehlungen rund ums Freistehen

Wo und wie findest du eine geeignete Parkmöglichkeit?

Ein schöner See, an dem man den Sonnenuntergang beobachten kann, eine traumhafte Aussicht auf die Berge oder das Meer… das ist das höchste, dass wir uns vom Wildcamping erhoffen. Leider sieht die Realität häufig anders aus. 

Dennoch versuche ich immer möglichst ruhige und abgelegene Orte zu finden. Meine Frau findet das zwar unheimlich, aber ich fühle mich an verlassenen Orten sicherer, weil die Wahrscheinlichkeit auf Menschen zu treffen auch geringer ist. Wer rennt schon durch den Wald und sucht ein Wohnmobil, das er aufbrechen kann, wenn er mit Sicherheit Raststätten finden kann? 

Wir fangen mit der Suche nach Freistehplätzen, wenn es noch hell ist, damit wir je nach Jahreszeit spätestens 17.00 Uhr feststehen und die Gegend erkunden können, so haben wir, wenn sich gar nichts Geeignetes finden lässt, immer noch die Option, einen kostenpflichtigen Stellplatz zu suchen. 

Wenn du dich zu Hause auf deine Reise vorbereiten möchtest oder unterwegs nicht weiter weißt, weil sich von selbst einfach kein schönes Plätzchen auftun will, dann haben wir folgende Tipps für dich:

  • Mit Google Maps lässt sich prima die Gegend erkunden. Klar sind nicht immer alle Bilder aktuell, du kannst dir jedoch leicht einen guten Überblick verschaffen.
  • Gewerbe- und Industriegebiete sind zwar nicht attraktiv anzusehen, haben oft aber Sackgassen und ruhige Ecken, an denen keiner arbeitet oder kein Lärm ist. Achtung mir selbst ist es einmal passiert, dass wir nicht aufmerksam waren am Abend und am morgen bereits um 5.00 Uhr von LKWs geweckt wurden, da wir direkt neben dem Großmarkt geparkt hatten. 
  • Friedhöfe, Schwimmbäder, Sportplätze sind auch in den Navigationsgeräten hinterlegt und bieten sich auch unter der Woche für eine Übernachtung an. Während du am Sportplätzen von Lärm geweckt werden kannst, sind Schwimmbäder morgens nur selten besucht und laden auch gleich noch zum Duschen und Schwimmen ein. Friedhöfe sind ebenfalls leicht zu finden.  
  • Parkplätze an Skiliften sind im Sommer oft leer und wenig benutzt, Wanderparkplätze oder Haltebuchten am Waldrand bieten häufig einen Sichtschutz durch Sträucher und Bäume. Diese Orte sind ideal fürs Freistehen – mitten in der Natur, mit wenig Durchgangsverkehr! Auch an Feldwegen solltest du darauf achten, dass ein Traktor vorbeifahren kann, bei Privatgelände solltest du dir aber das Einverständnis des Eigentümers holen. 
  • Gasthäuser und Restaurants bieten auch attraktive Möglichkeiten. Der Parkplatz steht am Vormittag häufig leer und den Gastronomen kann man beim Abendessen um Erlaubnis fragen, was nur selten abgelehnt wird. 
  • Passhöhen und touristische Aussichtspunkte sind häufig die beste Möglichkeit, frei zu stehen. Gebühren fallen selten an, noch dazu hat man eine schöne Aussicht. Die nächtliche Ruhe und Einsamkeit auf Passhöhen ist auch sehr zu empfehlen, wir waren erst vor kurzem in Obermaiselstein am Riedbergpass und am Skilift Grasgehren, der auch für das Wintercamping sehr beliebt ist. 
  • Sehenswürdigkeiten und Denkmäler sind auch leicht zu finden, gut ausgeschildert und häufig direkt angrenzend an Parkanlagen. Unser Tipp ist es, die Schilder an den Anlagen genau anzuschauen, falls es Verbote gibt, oder direkt mit den Angestellten zu sprechen und sich zu informieren. 
  • Vermeide Raststätten. Übernachten mit dem Wohnmobil ist an Autobahnraststätten in Deutschland erlaubt, wenn auch nur für eine Nacht, wir fahren jedoch immer ab und suchen uns einen ruhigen Platz in der Nähe. Gerade in Osteuropa oder in Frankreich hört man häufig von Einbrüchen oder Überfällen, gerade neue Wohnmobile sind unter Dieben beliebt. Plus, an der Autobahn hat man nun wirklich keine ruhige Nacht.
  • Halte Abstand zu Wohnhäusern. Das Freistehen in Wohngebieten vermeiden wir grundsätzlich. Falls es gar nicht anders geht, solltest du darauf achten, dass die Häuser einen entsprechenden Sichtschutz haben aus hohen Ecken und man nicht in dein Fahrzeug sehen kann. Anwohner sind schnell neugierig oder verunsichert und rufen regelmäßig die Polizei. Falls du doch in der Stadt oder im Wohngebiet stehen willst, such dir Sackgassen, oder Straßen, die zum Feld oder Waldrand sind und vielleicht nicht so dicht besiedelt. 150 Meter bis zum nächsten Wohnhaus ist dafür vielerorts eine gute Daumenregel. 
  • Störungsfreier als in Durchgangsstraßen übernachtet es sich hingegen in Sackgassen, vor allem, wenn keine Wohnhäuser in unmittelbarer Nähe zur Straße stehen. Solche Straßen findet man manchmal auch in Wohngebieten. Ein gründlicher Blick auf Google Maps hilft hier. Außerdem kannst du die Bebauung und Parksituation so besser abschätzen.

Du hast einen Platz gefunden, der dir gefällt und an dem du gerne die Nacht verbringen magst, dann haben wir folgende Tipps für dich: 

So findest du die besten Parkmöglichkeiten für die Nacht

Sauberkeit des Platzes 

Das offensichtlichste Indiz, ob dein Stellplatz ein guter ist, ist die Sauberkeit des Platzes. Wenn du überlegst, ob der neue Platz, den du gerade entdeckt hast, zum Wildcampen geeignet ist, ist es hilfreich, sich den Boden anzuschauen. Findest du viele Zigarettenstummel, Stöpsel, leere Flaschen oder Scherben, kann dies ein Indiz sein, dass der Platz des Öfteren von anderen Menschen aufgesucht wird und du nicht so alleine bist, wie es auf den ersten Blick den Anschein haben könnte.

Halte Ausschau nach Spuren auf dem Platz

Wenn du auf einem festen Platz stehst und hier mehrere runde Reifenspuren findest, legt das nahe, dass der Platz von Jugendlichen zu diversen „Fahrübungen“ aufgesucht wird. Befindest du dich im Wald und siehst viele Reifenspuren im Schlamm oder ähnliches ist es möglich, dass du am Morgen Besuch von freundlichen Radfahrern oder Motorradfahrern bekommst.

Schau in den Mülleimer, wenn einer in der Nähe ist

Wenn du einen Mülleimer in der Nähe deines Platzes siehst, ist es schon ein Zeichen, dass hier ab und an Personen anhalten, um diesen zu nutzen. Aber das ist an sich kein Problem. Schau in den Mülleimer, findest du dort nur Dinge wie Windeln oder Taschentücher ist das ein gutes Zeichen, da es nahelegt, dass der Platz eher tagsüber aufgesucht wird. Findest du jedoch viele Alkoholflaschen oder Fast Food Verpackungen ist es ein Indiz, dass der Platz öfter besucht wird.

Schau dir die nähere Umgebung an

Stell dein Auto ab und vertritt dir erst einmal die Beine. Mach einen kleinen Spaziergang und schau dir die nähere Umgebung deines potenziellen Stellplatzes an. Achte hier darauf, ob einer der bereits genannten Punkte eventuell für die Umgebung zutrifft. Auch wenn etwas fünf oder zehn Meter von deinem Stellplatz entfernt ist, wird man dich vermutlich sehen können. Dieser Tipp für Freisteher ist nicht immer umsetzbar. Trotzdem solltest du nach Möglichkeit versuchen, dein Wohnmobil nicht erst bei tiefschwarzer Nacht abzustellen. Bei Tageslicht läufst du nicht so schnell Gefahr, Schilder zu übersehen, die ein Parkverbot oder Privatgrundstück kennzeichnen. Die Unkenntnis der tatsächlichen Umgebung (abseits der Apps und Karten) kann außerdem gefährlich werden. Oft kommen wir viel zu spät bei Einbruch der Nacht an einem vermeintlich guten Ort fürs Freistehen an. Dabei stellen wir fest, dass in unmittelbarer Nähe einige Nachtclubs und Discos sind. Alkoholisierte, vielleicht sogar randalierende Menschen können das Übernachten mindestens unangenehm machen, schlimmstenfalls gefährlich. Auch der einsame Waldweg muss nicht zwangsläufig sicher sein. Besser ist es in jedem Fall, die Umgebung vor Einbruch der Dunkelheit kurz per Fuß zu erkunden. Damit sollten böse Überraschungen auf ein Minimum reduziert werden können.

Lebensmittel abschließen

Zwar gibt es in Europa keine Bären, die auf Nahrungssuche Menschen angreifen, aber auch die ansässigen Tiere können sich durch dich gestört fühlen und durchaus aggressiv werden, wenn sie Nahrung riechen. Darum solltest du Lebensmittel entweder im Auto verschließen oder etwas entfernt von deinem Zelt in einem Baum aufhängen.

Halte dich stets startbereit

Wir für unseren Teil versuchen vor dem Schlafengehen immer alles so zu verstauen und unser Wohnmobil auch so abzustellen, dass wir im Notfall immer in der Lage wären, augenblicklich abzureisen. Ob einem das in einer Gefahrensituation etwas bringen würde oder nicht sei mal dahingestellt. Aber für das eigene Gefühl ist es auf jeden Fall positiv.

Der denkbar schlimmste Fall, dass jemand dein Wohnmobil aufbrechen will, während du schläfst. Diese Situation ist allerdings sehr selten. Trotzdem kommt es vor. Wird es gefährlich, haben Mobile mit direktem Zugang zum Fahrerhaus Vorteile, um schnell zu entkommen. Es geht aber auch darum, möglichst gute Karten bei einer Kontrolle in der Hand zu haben. Wenn es nachts plötzlich an deinem Fenster klopft und sich ein freundlicher Polizist nach dem Zweck deines Aufenthalts erkundigt, sollte es nicht so aussehen, als hättest du bereits den ganzen Tag an diesem Standort verbracht. Besser ist es, wenn alle Sachen verstaut sind und du jederzeit abfahrbereit bist.

Fürs frei stehen besonders interessant: Alarmanlagen und Wohnmobil-Safes. Für alle, die gern mit ihrem Camper frei stehen wollen, ist die Gefahr oft höher als auf gut gesicherten Campingplätzen. Im besten Fall kann ein solches System schon präventiv eingesetzt werden, indem beispielsweise Bewegungen außerhalb des Fahrzeugs registriert werden. Noch bevor der Einbruchversuch überhaupt beginnen kann, wird der Alarm der Anlage ausgelöst und dient damit der wirksamen Abschreckung. Gerade, wenn du doch mal einen zweifelhaften Platz zum Freistehen gefunden hast, bist du im Ernstfall über solch eine Alarmanlage froh. Klar sollte auch sein, dass du deinen Camper stets abschließt und mit der Wegfahrsperre am Lenkrad sicherst – immer! Selbst, wenn du nur kurz unterwegs bist.

Das Gleiche gilt auch für Wertsachen. Niemals so liegen lassen, dass sie bei einem Blick in das Fahrerhaus sofort erkennbar sind. Denn eine bessere Einladung gibt es für Langfinger nicht, egal ob beim Wildcampen oder auf dem Campingplatz.

Bei schlechtem Bauchgefühl sofort den Platz verlassen

Dieser Tipp ist für Neulinge in der Szene nicht ganz so offensichtlich, wie er erscheinen mag. Natürlich geht es bei diesem Tipp vordergründig vor allem um die eigene Sicherheit. Wer schon mal frei gestanden und dabei ein ganz mieses Bauchgefühl gehabt hat, fährt in aller Regel sofort weiter. Man will einfach nichts riskieren. Der zweite Grund für die sofortige Weiterfahrt: Du musst mit einem schlechten oder sogar überhaupt keinem Schlaf rechnen! Wer stets wachsam ist, findet keine Ruhe.  Die Sicherheit steht für Menschen an oberster Stelle, weswegen es ganz natürlich ist, dass du an so einem Platz mit Schlafproblemen zu kämpfen hast.

Wer will schon kraftlos am nächsten Morgen die Weiterfahrt antreten? Immerhin zählt Freistehen für die meisten von uns zur wertvollen Urlaubszeit. Die sollte man möglichst ausgeruht und energiegeladen verbringen können. Daher unser Tipp für alle Paare oder Familien: Sobald sich auch nur einer der Mitreisenden an dem angepeilten Platz nicht wohlfühlt, fahrt bitte sofort weiter!

Spätestens jetzt wird deutlich, warum wir beim Freistehen möglichst bei Tageslicht am Übernachtungsort ankommen wollen. Es kann immer mal sein, dass wir uns unwohl fühlen und die Weiterfahrt antreten müssen.

Fazit und Camper4all Empfehlung: 

Behalte deine Plätze für dich.

Der wichtigste Tipp, um auch im nächsten Jahr noch Freude am gefundenen Platz zu haben – behalte ihn für dich. Wenn du ihn großzügig in den gängigen Camping-Apps verteilst, wirst du dich im nächsten Jahr wundern, wenn die Idylle vorbei ist, oder sogar ein Schild die Übernachtung im Wohnmobil verbietet. 

Unsere Erfahrung zeigt, dass wir bei unseren Reisen auch immer regelmäßig an Stellplätzen übernachten, um auch Wasser aufzufüllen oder die Toilette zu leeren. In Deutschland bietet der Reiseführer von Landvergnügen auch eine Jahresvignette, mit der man bei über 3.000 landwirtschaftlichen Betrieben kostenfrei über Nacht stehen kann.

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