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Durch Europa mit Bus und Hund Hilde

Peter Kopfermann wird nächstes Jahr 70 Jahre alt und reist seit vier Jahren durch Europa. In seinem blauen Bus hat er nur das Nötigste, das er zum Reisen braucht - und natürlich seine Hündin Hilde. Treuer Wegbegleiter seit vielen Jahren. Auf seinem Blog "Spaziergänge mit Hilde" erzählt er von seinen Reisen. Heute erzählt er uns, wie er auf die Idee kam, im hohen Alter nochmal so reiseaktiv zu werden und was er so erlebt.

Nach dem Studium bin ich drei Jahre durch Europa getrampt und habe von allen möglichen Jobs gelebt. Während meiner dreißigjährigen Berufstätigkeit als Sozialarbeiter und meinem Leben als alleinerziehender Vater war immer der Wunsch präsent, dass ich nochmal losfahren werde. 

Die Kinder sind erwachsen, haben ihr eigenes Leben und ich konnte als Rentner tatsächlich meine Träume wahr machen. Mitte 2016 bin ich mit Hilde, meiner Hündin, die mir mein Sohn geschenkt hat, dass sie auf mich aufpasst und eine Verbindung zwischen uns herstellt, und meinem alten VW-Bus losgefahren. Seit dieser Zeit reisen wir langsam durch Europa und ich schreibe kleine positive Reisegeschichten, die ich mit aktuellen Fotos auf der Facebook-Seite “Spaziergänge mit Hilde” verschenke. 

Ich glaube, dass es uns deshalb so gut tut, weil der Bus unser Zuhause ist und wir immer wieder Menschen begegnen, zu denen sich mit der Zeit eine freundschaftliche Beziehung ergeben hat, die nicht davon abhängig sind, ob man sich trifft.

Reisen mit 70 hat eine andere Qualität

Reisen in meinem Alter, ich werde nächstes Jahr 70, hat eine andere Qualität, als für jüngere Menschen. Ich kenne nun beides und weiß, dass ich früher viel unbekümmerter unterwegs war als heute. Du kannst recht einfach von deinen Eltern weggehen, weil das der übliche Gang im Erwachsenwerden ist. Jetzt habe ich Kinder und Enkel, die sich mit mir freuen, dass ich meinen Traum leben kann, aber auch gerne den Kontakt halten wollen. Zudem bewegst du dich im Alter auf das Ende des Lebens zu, was meine Reisen und Begegnungen mit Menschen ganz anders prägt.

Unterwegs zu sein, bedeutet mit vielen Unwägbarkeiten zu leben. Ich plane meine Reisen nur peripher und weiß eigentlich morgens nicht, was hinter der nächsten Kurve für Abenteuer auf uns warten.

Das Krasseste habe ich sicher in diesem Sommer in Schottland erlebt, als ich mich kurzatmig ins Krankenhaus von Aberdeen geschleppt habe und dort festgestellt wurde, dass ich mich in einem lebensbedrohlichen Zustand befand. Thrombosen hatten auf beide Lungenflügel gelegt, mein Herz raste wie verrückt und ich stand in Gefahr, einen Schlaganfall zu bekommen. Vierundzwanzig Stunden später war ich wieder im Bus unterwegs, damals mit einem Freund, der in seinem T4 reiste und Hilde versorgte. Ich bekomme Blutverdünner und muss darauf achten, Stress zu vermeiden. Bei der Nachuntersuchung drei Wochen später hat sich gezeigt, dass alle Organe wieder normal arbeiten und dies ein Wunder sei, wie mir die Ärzte sagen.

Am Nordkap mit dem Sohn

Mein intensivstes Erlebnis war, zusammen mit meinem Sohn am Nordkap zu stehen. Er wollte unbedingt im letzten Jahr mit uns reisen, um zu verstehen, wie ich lebe. Also sind wir sieben Wochen durch Skandinavien gefahren. Am nördlichsten Punkt Europas miteinander zu stehen, war der emotionalste Moment in unserer Freundschaft. Seitdem nimmt er meine Reise noch einmal anders und viel näher war.

Ein Satz hat mein Leben seit den 70er Jahren geprägt, der aus dem Song “Hippie Boy” der Flying Burrito Brothers stammt: “Never carry more than you can eat”. Alles Materielle, woran du dein Herz hängst, kann dir zum Verhängnis werden. Im Loslassen aber gewinnst du eine neue Freiheit. 

Wenn ihr mehr Bilder von Peter und Hildes Reisen sehen wollt, dann schaut auf seinem Blog vorbei: Spaziergänge mit Hilde oder auf Instagram: @spaziegaenge.mit.hilde 

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