zuletzt aktualisiert:
18/10/2023
8 min
Julian

Gesamtmasse - Wie viel Gewicht ist zu viel für deinen Camper?

Wer nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten will, muss darauf achten, dass der Camper nicht zu schwer wird.

Wer auf Camperreise geht, muss Abstriche machen. Das ist leider ein Fakt, dem sich jeder Camper irgendwann stellen muss. Wir haben das Thema Gewicht beim Camper schon einige Male angesprochen, es ist einer der wichtigsten Faktoren bei der Auswahl des Equipments, das man mitnimmt. Eine leistungsfähigere Powerstation ist oft schwerer oder größer. Dasselbe gilt für einen Gaskocher oder so ziemlich jedes andere Stück Ladung, dass du auf deiner Camperreise dabei haben möchtest. Oft können wir daher nicht mitnehmen, was uns lieb wäre, weil es entweder zu viel Platz wegnimmt oder sich zu sehr auf das Gewicht und die Manövrierfähigkeit des Fahrzeugs auswirkt.

Und die Masse des Campers ist nicht nur für die Fahrtüchtigkeit wichtig. Auch eingefleischte Camper machen manchmal den Fehler, die rechtliche Dimension zu ignorieren. Wer seinen Camper zu voll lädt, kann ernsthafte Schwierigkeiten bekommen, ein Thema, das immer wichtiger wird, da Camper von sich aus mit immer mehr Technologie und Komfort auch immer schwerer werden. Was auf rechtlicher Ebene “zu voll” bedeutet, erfahrt ihr über die technisch zulässige Höchstmasse des Campers, die sich auf das Gewicht des Fahrzeugs im voll beladenen Zustand bezieht und die man in den Fahrzeugpapieren nachlesen kann. Wer mehr Gewicht als zulässig verwendet, macht sich strafbar!

Kürzlich haben wir persönlich gemerkt, wie schnell man beim Gewicht über diese Grenzen treten kann. Wir hatten schon länger ein Auge auf einen Campervan geworfen, den wir uns für die kleine Familie holen wollten, einen Kastenwagen mit Aufstelldach. Erst kurz vor dem Kauf fiel uns allerdings auf, dass der Wagen, mit einem Maximalgewicht von 3.500 kg, ohne zusätzliche Beladung bereits bei fast 3.300 kg liegt. Mit unserer liebsten Powerstation an Bord war also fast kein mögliches Gewicht mehr übrig.

Wir haben lange überlegt, was sich machen lässt, aber am Ende mussten wir hinnehmen, dass wir mit so wenig Extramasse einfach nicht klarkommen. Also haben wir uns am Ende für einen anderen Camper entschieden, einen teilintegrierten, der uns vom Gewicht her mehr Freiheit geboten hat. Auch wenn die Wahl für uns persönlich Sinn gemacht hat, ist es wirklich schade, dass wir zu unserem Traum-Camper nein sagen mussten.

Wie komme ich auf meine technisch zulässige Gesamtmasse?

Es gibt einige Gewichtsklassifikationen, die beim Camper relevant sind. Die technisch zulässige Gesamtmasse ist hierbei die, die vom Hersteller kommt. Ein Fahrzeug darf dieses Gewicht nie überschreiten, sonst riskiert der Besitzer/Fahrer eine Geldstrafe, da einen Camper zu überladen aus Sicherheitsgründen eine Ordnungswidrigkeit ist.

Diese Massevorgabe findet sich in den technischen Daten des Fahrzeugs und kann jederzeit eingesehen werden Diese Zahl, bei uns 3.500 kg, ist quasi unsere Obergrenze. Die 3.300 kg bei unserem Kastenwagen bezog sich auf die Masse des Fahrzeugs im fahrbereiten Zustand, also in etwa die Untergrenze beim beladen. Bei dieser Zahl werden folgende Elemente des Fahrzeugs vom Hersteller eingerechnet, um das durchschnittliche Gewicht des Fahrzeugs ohne zusätzliche Beladung zu berechnen:

  • Das Leergewicht des Fahrzeugs, zusammen mit den ausgefüllten Betriebsstoffen wie Schmierfetten und Kühlflüssigkeiten
  • Die Serienausstattung, inklusive aller Ausstattungsgegenstände, die im Standard-Lieferumfang des Fahrzeugherstellers inklusive sind
  • Das Gewicht des Wassertanks, wenn er zu 100 % gefüllt ist
  • Das Gewicht einer zu 100 % gefüllten Gasflasche
  • Der gesamte Kraftstofftank mit einer Füllung von 90 %
  • Das Gewicht von Fahrer, Mitfahrern und allgemein Passagieren, meistens errechnet auf Basis der Zahl der Fahrersitze, mit einem Durchschnittsgewicht von 75 kg pro Passagier

Wie wir seitdem herausgefunden haben, ist 200 kg sogar noch verhältnismäßig großzügig, zumindest auf gesetzlicher Ebene. Es gibt zwar tatsächlich eine rechtliche Mindestlast, die nach der Masse im fahrbereiten Zustand noch übrig sein muss, doch ist diese relativ gering. Rechtlich vorgeschrieben ist hier nämlich deutlich weniger als 200 kg, üblicherweise 10 kg pro Fahrer, plus 10 kg pro Meter des Fahrzeugs in Gesamtlänge. Oft liegt diese Zahl unter 100 kg! Die meisten Camper erlauben jedoch deutlich mehr Ladung als das gesetzliche Minimum, da Hersteller natürlich wissen, dass man für eine Camperreise einiges Gepäck braucht.

Wenn du also wissen willst, wie viel zusätzliche Masse du in deinen Camper laden darfst, musst du nur den Differenzwert zwischen der technisch zulässigen Gesamtmasse und der Masse im fahrbereiten Zustand errechnen. Was übrig bleibt, bei uns 200 kg, ist wie viel in den Camper darf. Aber damit du mit so wenig Extramasse auskommst, musst du ein wenig tricksen.

Wie kannst du Gewicht sparen?

All diese Fakten stellen uns vor ein Problem. Wenn der rechtliche Normfall nur um die 100 kg liegt, wie sparen wir dann am besten Gewicht? Wir haben für uns einen Camper gefunden, der deutlich mehr Freiheit bei der Masse bietet, aber auch hier ist das nur möglich, weil er kein schweres Aufstelldach hatte, das von sich aus schon viel ausmacht.

Wir haben einige Themen bereits in der Vergangenheit beleuchtet, aber hier sind einige Tipps, die jeder Camper nutzen kann, um das Gewicht im Camper zu reduzieren!

1) Digitalisieren

Es gibt vieles, was wir nicht physisch auf unseren Reisen brauchen. Klar, wir wollen bei der Reise in die Natur den Alltagsstress und die Technologie zurücklassen, aber ein Tablet lohnt sich wirklich für die Reise. Zum einen können wir so die ganzen Bedienungsanleitungen, die im Fall der Fälle für den Camper wichtig sind, einfach als PDF speichern. Auch die Bücher, die wir sonst für das gelegentliche Lesen mitnehmen, können wir so als E-Book völlig gewichtslos dabei haben.

2) Leichtere Alternativen wählen

Wer ein neues Produkt für einen Camper sucht, sei es eine Powerstation oder ein Hängeschrank, muss Preis und Leistung abwägen. Faktoren wie Langlebigkeit, Kapazität und viele weitere muss jeder in Betracht ziehen, doch wer Möbel oder Werkzeug für den Camper sucht, muss auch das Gewicht mit einbeziehen. Oft hat eine Powerstation weniger Leistung, wiegt dafür aber nur die Hälfte. Manches Bettzeug wärmt vielleicht etwas mehr, aber ist dafür auch deutlich leichter. Auch Campinggeschirr wiegt meistens viel weniger, als Besteck, Töpfe und Pfannen von zu Hause. Dieses Thema lässt sich auf viele Themen erweitern, von Batterien, bis hin zu einem Aluminiumlattenrost statt einem aus Holz. Eine Alternative, die weniger wiegt, kann oft fast die selbe Aufgabe erfüllen und wirkt sich deutlich weniger auf die Gesamtmasse des Wohnmobils aus.

3) Aufs Reserverad verzichten

Riskant aber häufig: Viele Camper verzichten auf das Reserverad und priorisieren im Gegenzug ein Pannenkit. Tatsächlich verbauen viele Camperbauer gar keine Ersatzräder mehr! Reifenpannen sind selten und viele haben einfach nicht die Option, im Fall der Fälle einen Reifen zu ersetzen. Wenn alternativ auch der ADAC am Telefon helfen kann, warum dann das enorme Extragewicht eines Ersatzreifens auf sich nehmen?

Fazit

Wenn du auf deiner Camperreise auf alles vorbereitet sein willst, musst du Abstriche machen. Es lohnt sich bei jedem Camperkauf, erstmal einen Blick darauf zu werfen, wie viel eigentlich in das Fahrzeug passt. Die meisten Camper erlauben deutlich mehr Last, als das gesetzliche Minimum, weil die Hersteller wissen, dass diese Masse gebraucht wird. Doch wenn du planst, aus deinem Camper dein Van Life-Zuhause zu machen, brauchst du mehr Masse als die meisten.

Irgendwo musst du Kompromisse schließen. Wo genau liegt bei dir! Aber auch mit wenig Gewicht ist es möglich, großartige Abenteuer auf der offenen Straße und in der wilden Natur zu erleben. Du musst nur mit dir selbst ausmachen, worauf du nicht verzichten kannst!

Julian
Julian ist ein langjähriger Camper, Outdoor-Enthusiast und Autor auf Camper4All, für den die Heimat draußen in der Natur liegt. Hier teilt er seine Leidenschaft für das Campen mit Zelten und gibt wertvolle Tipps für Abenteurer, die die Wildnis erkunden möchten. Seine Expertise erstreckt sich über eine Vielzahl von Themen, darunter Wildnis-Tipps, Campingausrüstung und die Nutzung von Technologie als Teil der Campingerfahrung.
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