Pro und Contra vom Leben im Van

Leben und reisen im Van hat auch seine Nachteile und bringt einige Herausforderungen mit sich.

VanLife liegt auch dieses Jahr weiterhin im Trend, immer mehr Menschen wollen flexibel arbeiten, reisen und Freiheit genießen. Doch VanLife ist nicht mit einem Campingurlaub vergleichbar, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung, die auch viel Organisation und Struktur bedarf, wenn man wirklich die meiste Zeit auf weniger als 20qm verbringen will. 

Gerade in den sozialen Medien sieht man häufig nur die schönen Seiten, Strand, Natur, Wälder, doch das Wildcampen ist in vielen Ländern Europas verboten. Instagram und TikTok sind leider viel zu häufig nicht die Realität. In den Vans von Influencern, die wir häufig empfehlen und die auch unsere Arbeit inspirieren, handelt es sich auch häufig um Inszenierungen, bei welchen das Chaos im Van für das Video auf die andere Seite geschoben werden muss, denn jeder der regelmäßig mit dem Reisemobil unterwegs ist, weiß, dass es nahezu unmöglich ist, den Van den ganzen Tag für das perfekte Bild sauber zu halten, vor allem in unserem Fall, mit Hund und Kindern!

Vor- und Nachteile von Van Life

Pro und Contra vom Leben im Van | VanLife

Starten möchte ich einmal ganz ungewohnt zuerst mit den Gründen, die gegen den Trend und das Leben im Van sprechen. Denn wer sich über diese nicht bewusst ist und nur an den besten Fall denkt, kann schnell von der Realität enttäuscht werden!

Kontra VanLife 

Leben und reisen im Van hat auch seine Nachteile und bringt einige Herausforderungen mit sich. 

Ein fehlendes Badezimmer, Dusche und WC

Egal ob du ein Badezimmer im Van eingebaut hast oder nicht, die Dusche wird nicht mit der in deinem Badezimmer vergleichbar sein. Bei der Campingtoilette hast du die Wahl zwischen Trockentoilette, Chemietoilette oder einem öffentlichen WC, zum Beispiel an der Tankstelle, die aus gutem Grund nicht den besten Ruf haben. Im Wohnmobil sind Trockentoilette oder Chemietoilette aber häufig fest verbaut, im selbstgebauten Campervan sehen wir in den sozialen Medien unter dem #scheißhausSonntag etliche Beispiele.

Von YouTube und TikTok kennen wir auch viele Vans, die nur eine Außendusche haben, was im Sommer häufig ausreicht, aber im Winter unvorstellbar ist. Klar, bei unseren Reisen duschen wir ebenfalls häufig im Schwimmbad oder wenn es entsprechend sauber ist am Campingplatz, wenn du jedoch wochenlang freistehend unterwegs bist, solltest du daran gewohnt sein, vielleicht auch mal ein paar Tage ohne die Dusche am Morgen in den Tag zu starten.

Minimalistisches Leben auf engstem Raum

Solange du alleine unterwegs bist, geht das ganz gut, auch ein kleiner Hund lässt sich leicht unterbringen, aber sobald du mit deinem Partner oder Kindern ins VanLife einsteigst, solltet ihr euch wirklich darüber im Klaren sein, was es bedeutet, auf engem Platz miteinander zu leben. Unterschiedliche Erwartungen, andere Pläne oder auch einfach das permanente Zusammensitzen bietet eine Menge Angriffsfläche für Streitigkeiten.

Gleichzeitig bedeutet der geringe Stauraum auch eine gute Planung und Organisation, denn wenig Platz bedeutet auch immer Verzicht, Einschränkungen und ein minimalistisches Leben.

Schlafplätze, Frisch und Abwasser

Es gibt nichts Schlimmeres, als auf einem abgelegenen Campingplatz eingerichtet zu sein, nur um festzustellen, dass der Abwassertank voll und dein Frischwasser leer ist, was übrigens viel zu häufig vorkommt. Noch schlimmer wird es, wenn in der Nebensaison dann auch noch Stationen geschlossen sind oder die Wasserhähne zufrieren.  

Gleichzeitig gibt es in vielen Ländern entsprechende Regelungen, dass man nur 1-2 Nächte am gleichen Platz bleiben darf. Deine Routen für die nächsten Tage solltest du also auch immer gut vorplanen und nicht einfach in den Tag hinein leben. Klar kannst du auch ein paar Tage chillen und es entspannt angehen lassen, wenn du das mit deinem Job vereinbaren kannst. Die Suche nach dem geeigneten Schlafplatz sollte jedoch nicht deinen Tag bestimmen und zugleich auch nie auf die letzte Sekunde geschehen.

Panne oder Reparaturen an deinem Fahrzeug

Was tun, wenn dein Reisemobil unerwartet kaputtgeht und du keinen Notfallplan oder entsprechende Rücklagen hast? Je nachdem wo du gerade unterwegs bist, kann es zu teuren Kosten für das Abschleppen kommen und noch zu vielen weiteren Kosten, wie Übernachtungen im Hotel oder einem Mietwagen. 

Und diese Kontrapunkte sind natürlich auch noch nicht alles. Dazu kommt noch die Abhängigkeit vom stabilem Internet, das auf der Reise auch im Heimatland oft schwer zu finden sein kann. Die fehlende Waschmaschine und die Suche nach geeigneten Waschsalons kann besonders in Ferienregionen auch zum Problem werden.

Doch es gibt auch viele Gründe, die für das Leben im Van sprechend und für die es sich lohnt, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich auf das Abenteuer VanLife einzulassen, trotz allen Downsides.

Pro VanLife

Die positiven Seiten des Van-Lebens fühlen sich für mich so natürlich und offensichtlich an, dass es nicht leicht war, sie in Worte zu fassen. Es ist das, was wir täglich in den sozialen Medien sehen. Mehr Freiheit zum Reisen und Erkunden, Aufwachen mit dem Sonnenaufgang über dem Ozean, traumhafte Aussicht über die Berge, alle paar Tage an einem neuen Ort sein usw. Diese Erlebnisse und Erfahrungen sind es wirklich wert, die eigene Komfortzone zu verlassen. 

  • Frei statt ortsgebunden und der Wunsch nach Abenteuerlust, Spontanität oder Langeweile in der Heimat. 
  • Du hast die Chance andere Länder, Regionen und Kulturen länger und intensiver kennenzulernen. 
  • Du lernst, deine Umgebung und deinen Partner besser wahrzunehmen
  • Du lernst dich auf das Wesentliche zu beschränken 
  • Die Lebenshaltungskosten reduzieren mit VanLife in Teilzeit

Sicherlich nicht der wichtigste Grund, doch ein Van ist einfach deutlich günstiger als ein Haus. Es gibt einen Grund, warum besonders in den USA viele Leute exklusiv in Wohnwagen leben. Gerade mit den schon angesprochene Gründen, wie einer Panne, kann sich das aber auch schnell umdrehen.

Dennoch habe ich einen Bekannten in Berlin, der die Sommermonate regelmäßig nutzt, um seine Wohnung über Airbnb zu vermieten, während er selbst mit seinem Minicamper durch Europa reist und quasi Vanlife in Teilzeit betreibt.

Auf seinen Reisen besucht er Freunde und Familie, während seine Wohnung täglich Einnahmen generiert. Seinen eigenen Verbrauch an Geld hat er entsprechend reduziert, ein paar Tage am gleichen Ort spart Benzin und das Essen kann auch entsprechend günstig zubereitet werden.

Camper4all Fazit:

Wir würden absolut empfehlen, das VanLife auszuprobieren, denn hier kannst du viele Dinge über dich und deine Umgebung lernen und neue Erfahrungen sammeln. Es lohnt sich definitiv, deine Komfortzone einmal zu verlassen. Jedoch bringt das Leben und Reisen im Van auch Nachteile und Herausforderungen mit sich. Bevor du dich für das Leben im Van entscheidest, solltest du dich auf jeden Fall gut vorbereiten und dir sicher sein, dass du dir auch die Schattenseiten, über die kaum jemand spricht, zutraust. Probier es erstmal für eine Weile aus, bevor du dich darauf festlegst.

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