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Mit dem Rucksack durch Skandinavien - Teil 3

In ihrer Skandinavien Rund-Tour schaffen es Matthias und Florian endlich von Stockholm weg in den hohen Norden. Ihnen steht eine lange Zugfahrt bevor.

Ein wunderschöner Morgen. Die Sonne scheint, wir laufen in kurzer Hose und T-Shirt durch Stockholms Fußgängerzone. Wir genießen das schöne Wetter, denn wir wissen, oben im Norden wird es kalt. Wir schlendern an der Promenade entlang, schauen uns ein paar Schiffchen an und gehen dann auf den Turm des Stadshuset. Der Weg ist lang. Es sind zwar nur 365 Stufen, aber dafür führt der Weg durch endlose Gänge immer im Kreis kurz hinter der Außenwand des Turms. Der besteht aus 2,5 Millionen roten Backsteinen, sehr schön, doppelt so schwer wie der Eiffelturm und mit dem Wetter hat man eine fantastische Aussicht. Einfach toll!

Aussicht auf Stockholm.
Schöne Sicht vom Turm des Stadshuset.


Nach einer ausgiebigen Stadtbesichtigung gehen wir zurück zum Hostel, holen unsere Rucksäcke, gehen zum Bahnhof und steigen in unseren Zug. Diesmal stimmen alle Daten. Eine lange Fahrt steht uns bevor, mehr als 12 Stunden, und im Gegensatz zur letzten Fahrt haben wir diesmal keine Plätze im Liegewagen reserviert. Wir müssen die Nacht also im Sitzen verbringen. Für mich eine Herausforderung, ist der Zug nicht gerade für große Menschen gebaut. Doch da müssen wir durch, der Liegewagen wäre doppelt so teuer gewesen.

03:27 Uhr, die Sonne geht auf. Oder geht sie noch unter? Egal, ich kann nicht schlafen.
Sonnenaufgang mitten in der Nacht.

Stockholm - Kiruna

Der Zug ist nicht ausgebucht, so hat jeder von uns einen Doppelsitz für sich allein. Schlafen kann ich trotzdem nicht. Das hat den Vorteil, dass ich den Sonnenaufgang sehe. Um 3 Uhr morgens. Und ich sehe die Landschaft. Es ist hauptsächlich Natur, kaum Zivilisation. Wiesen, Wald, Wasser, Wald, Wald, Wiesen, Wald, Wald, Wiesen, Wasser, Wald. So schön die verlassenen Seen inmitten einsamer Wälder auch sind, in deren spiegelglatter Oberfläche sich die letzten Sonnenstrahlen spiegeln – ein bisschen Schlaf wäre noch schöner gewesen.

Die Nacht ist hart. Die Sitze unbequem, das Licht zu hell und die Mitreisenden zu unhöflich. Einer schaut ohne Kopfhörer einen Film auf dem Laptop, ein anderer telefoniert laut mit Lautsprecher. Erster Lichtblick ist das Frühstück im Zug. Nur ein labbriges Sandwich mit Käse, dazu aber immerhin heiße Schokolade und ein Orangensaft. Die Lebenskräfte kommen langsam zurück.

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Der Bahnhof von Kiruna

Kiruna

Die aktuelle Situation in Kiruna ist ein wenig ungewöhnlich. Direkt neben der Stadt ist eine gigantische Erzmine, die seit Jahrzehnten das gesamte Land ernährt. Problem ist, dass einige Erzvorkommen unter der Stadt liegen. Die würde man auch gerne abbauen. Deswegen hat man beschlossen, die Stadt einfach abzureißen und fünf Kilometer daneben wieder neu aufzubauen.

So verrückt es klingt, aber das ist die Wahrheit! Zumindest fast. Genaugenommen sind es nur vier Kilometer und es wird nicht die ganze Stadt abgerissen, sondern nur große Teile. Die werden auch nicht komplett abgerissen, sondern teilweise umgesiedelt. Die Häuser werden also auf riesige Lastwagen gesetzt und dann weggefahren. Aber im Endeffekt bleibt es dabei: Man reißt die Stadt ab und baut sie fünf Kilometer daneben wieder neu auf.

Wegen des städtischen Umzuges liegt auch der Bahnhof nicht mehr in der Stadt, sondern außerhalb. Shuttle-Busse fahren zum Stadtzentrum. Das erfahren wir dann auch, als uns der erste Bus gerade vor der Nase wegfährt. Wir nehmen den zweiten, den wir so ziemlich ganz für uns alleine haben. Überrascht nehmen wir zur Kenntnis: Hier gibt es W-LAN!

Letzte Vorbereitungen

Wir holen uns in der Touristen-Info einen Stadtplan und decken uns dann im Supermarkt mit Proviant ein. Uns stehen fünf Tage in der Wildnis bevor. Wir verstauen unsere Einkäufe in unseren Rucksäcken, die jetzt bis zum Bersten gefüllt sind und um Punkt 12 Uhr mittags geht die Reise los.

Wir sind bereit!
Vollbepackt kann es losgehen.

Der Anfang ist hart. Es ist anstrengend und die Schultern werden schwer. So schaffen wir es immerhin ohne Pause zurück an den Bahnhof. Der erste Kilometer!

Doch jetzt geht es erst richtig los. Wir lassen Kiruna und damit die Zivilisation hinter uns. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Frohen Mutes wandern wir los. Wir kommen gut voran, springen beschwingt über schlammige Pfützen und genießen das schöne warme Wetter.

Doch dann wendet sich das Blatt. Es kommt alles anders als erwartet. Ganz anders.

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Abenteuer

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