Wohnmobilzulassung: Ab wann gilt dein Fahrzeug als Wohnmobil

Wohnmobil-Zulassung - Wie funktioniert das überhaupt und gibt es Mindestanforderungen die ein Fahrzeug erfüllen muss, damit es ein Wohnmobil sein kann?

Du möchtest dein Fahrzeug selbst zum Camper umbauen, hast schon viele Inspirationen in den sozialen Medien von umgebauten Vans bei so genannten Vanlife Influencern gesehen, oder hast den Umbau vielleicht bereits in der Planung. Dann weißt du bestimmt schon was es neben deinen individuellen Bedürfnissen noch alles zu beachten gilt, damit dein Fahrzeug als Wohnmobil zugelassen werden kann. Nach dem Selbstausbau kommt eine der schwierigsten Themen von der wir im Zusammenhang mit dem Wohnmobilausbau häufig hören. Genau die Eintragung und Ummeldung zum Wohnmobil.

Mit dem Umbau zum Beispiel von einem Kastenwagen zum Wohnmobil ändert sich auch zwangsweise die Fahrzeugklasse und somit die Zweckbestimmung, was auch bei der Fahrzeugzulassung angepasst werden muss. Die erfolgreiche Eintragung, klar wir sind ja auch in Deutschland dem Land das für alles eine Regelung und entsprechende Gesetze hat, klingt meistens jedoch komplizierter als es tatsächlich ist.  Wichtig ist jedoch dass du dich schon vor dem Ausbau schlau machst und das Wissen in die Planung mit einfließen lässt. Denn wie so oft im Leben ist die Vorbereitung auch bei der Ummeldung zum TÜV alles, bei Unachtsamkeiten kann es hier schnell teuer werden oder euch auch um einige Wochen beim Ausbau zurück werfen.

Wer jedoch gut vorbereitet ist und vielleicht auch schon rechtzeitig mit dem TÜV Kontakt aufnimmst und vielleicht schon deinen Plan entsprechend mit dem Prüfer durch gehst kann fast nichts schief gehen. 

 

Übrigens mit der Ummeldung zum Wohnmobil kannst du in vielen Fällen auch bei den Steuern sowie bei den Kosten für die Versicherung sparen. 

Wie bekommst du die Wohnmobil-Zulassung für einen Selbstausbau?

Zunächst möchte  ich dir einen Überblick geben welche Fahrzeuge überhaupt als Wohnmobil umgemeldet werden können, wie die Zulassung abläuft und was für Unterlagen du benötigst, denn die Frage lässt sich nicht nur in einem Satz beantworten, denn wie so oft in Deutschland gibt es auch hierfür eine klare Beschreibung welche Ausstattung und Sicherheitsmerkmale ein Fahrzeug haben muss damit es vom TÜV oder der DEKRA entsprechend als Wohnmobil eingestuft und zugelassen werden kann.  

Egal ob die die Wohnmobilzulassung bei TÜV oder DEKRA zur Prüfung anmeldest bei beiden Prüforganisationen hat die Sicherheit oberste Priorität und es muss sicher gestellt sein das alle Türen und Klappen auch während der Fahrt geschlossen bzw, entsprechend verriegelt sind und nicht aufgehen können. 

Camper4all Tipp: 

Achte bei den Möbeln darauf das du keine scharfen Außenkanten (90 Grad)  an Schränken und Arbeitsflächen auftreten, TÜV Nord fordert hier eine entsprechende Abschrägung oder die Verwendung von Gummilippen.

Wohnmobilzulassung: Ab wann gilt dein Fahrzeug als Wohnmobil

Wann gilt dein Fahrzeug ein Wohnmobil? 

Die Wohnmobil-Mindestausstattungen variieren bei TÜV und DEKRA ein wenig, sind dennoch klar geregelt hier findest du beide Varianten im Überblick: 

Checklisten für die Abnahme im Überblick

Nun kennst du die Mindestanforderungen und du weißt, wenn du ein Basisfahrzeug zum Wohnmobil umbauen möchtest es nicht ausreicht einfach eine Matratze in den Transporter zu legen. Tisch, Bett, Sitzmöglichkeit und Stauraum müssen klar erkennbar sein und es Bedarf auch genügend Ablagen und Stauraum für Kleidung und Gepäck. 

Doch nun zu den Details und was das für dein Wohnmobil bedeutet

 

Eine bequeme und festverbaute Schlafgelegenheit

Als Bett gilt auch ein Sitz der zu einem Schlafplatz umgebaut werden kann. Für die Prüfung bei TÜV und DEKRA ist wichtig das dein Fahrzeug einen dauerhaften Platz zum Ausruhen hat. Hierbei ist es egal ob du ein Bett zum ausziehen, ausklappen oder ein fest installierten Schlafplatz hast. 

Hinweis: 

Die bereits erwähnte Gartenliege oder die Matratze im Transporter gelten so wie das Dachzelt nicht als Schlafgelegenheit wenn es um die Zulassung eines Wohnmobils geht.  

Ein Wohnmobil benötigt eine Küche und ein Kochfeld

Ich hatte einmal gedacht ich könnte auf die Küche verzichten, da wir ja die meiste Zeit eh grillen oder unterwegs essen, ein Wasserkocher oder der Kochroboter meiner Frau sind dann schon ausreichend. Dieser Gedanke erledigte sich jedoch schnell, denn Thermomix und sind nicht ausreichend. Laut Gesetz benötigt ein Wohnmobil eine fest eingebaute Kochgelegenheit dabei kannst du aus verschiedenen Optionen wählen. 

  • Gasbetriebene Kocher mit Gasanlage oder Gaskartusche
  • Elektrische Kochplatten wie ein Induktionsfeld
  • Dieselkocher
  • Spirituskocher
Nicht vergessen: 

Ab sofort muss ein Warnhinweis an offenen Kochstellen angebracht werden, die auf die ausreichende Belüftung hinweist. . 

Wir sehen auch immer häufiger Campervans die eine Mikrowelle oder auch einen entsprechenden Gasbackofen verbaut haben. 

Ein Tisch, der auch klappbar und entfernbar sein darf.

Auch ein Tisch gehört in ein Wohnmobil, die Größe, Form und wie du diesen genau an bringst sind bei der Prüfung jedoch zweitrangig. Es ist also nicht wie bei Sitzgelegenheit oder auch dem Bett vorgeschrieben das diese Fest Verbaut sein müssen sondern du kannst auch auf einen Klapptisch zurückgreifen. 

Wichtig beim Tisch er muss groß genug sein damit du darauf einen Teller abstellen kannst. 

Verschließbarer Stauraum für Gepäck und Proviant. 

Ein weiter wichtiger Punkt den dein Fahrzeug erfüllen muss ist, das du genügend Stauraum für Gepäck und Proviant hast. Dein Gepäck muss einen definierten Platz im Wohnmobil haben und Schranktüren müssen so gesichert sein, das sie während der Fahrt nicht aufgehen können. Ob du dich für Schränke, Schubladen oder gesicherte Holzkästen mit Boxen entscheidest spielt am Ende keine Rolle. Wichtig bei der Zulassung ist eher ein klar definierter Ort an dem du Gepäck verstauen kannst. 

Ohne Heizung kann es nicht nur im Winter kalt werden 

Wie auch bei einem Wohnraum muss auch ein Wohnmobil in vielen Verordnungen über eine Heizung verfügen, welche Heizung hier bevorzugt wird und wie diese verbaut sein soll bleibt unklar, generell verfügt jedes Wohnmobil aber bereits bei Auslieferung über eine so genannte Standheizung. 

Optional, aber dennoch  wichtig sind:

Toilette und Wasserversorgung

Die Toilette wird nicht explizit verlangt, wir haben dennoch einen festen Standort für unsere Campingtoilette die wir für den Notfall immer dabei haben. Die Wasserversorgung hingegen ist zumindest beim TÜV Rheinland Pflicht. Ob du hierbei ein komplettes Wassersystem mit Dusche umsetzt oder dich mit einem System aus Kanistern bedienst spielt bei der Prüfung keine Rolle. 

Die richtige Belüftung im Wohnmobil und Camper? 

Update zum  TÜV Merkblatt „MB FZMO 0740“ vom 19.01.2022

Der bewohnbare Raum muss mit einer Sicherheitslüftung (DIN EN 721) versehen sein. Hierbei handelt es sich um Lüftungsöffnungen die für Zu- und Abluft unabhängig von Fenstern und Türen sorgen.“

Beim Ausbau eines Camping Fahrzeuges bedeutet dies, du solltest für ausreichend Frischluft im Innenraum sorgen hierzu gibt es mehrere Varianten, wie zum Beispiel der Einbau einer Dachluke mit Zwangsbelüftung.  

 

Achtung: 

Dachluken und Fenster müssen jedoch ein gültiges Genehmigungszeichen haben. 

Weitere Hinweise: 

  • Ein und Ausstieg von deinem Wohnmobil muss sich gefahrlos benutzen lassen, am besten hast du zwei unabhängige Fluchtwege für unterschiedliche Fahrzeugseiten. 
  • Alle Fahrzeughersteller haben feste Aufbau-Richtlinien die auch ausschlaggebend für die Stabilität deines Fahrzeuges sind. Veränderst du nachträglich tragende Karosserieteile muss der Fahrzeughersteller diese Veränderungen möglicherweise noch nachträglich freigeben. 
  • Verwende für den Ausbau Materialien die nach Möglichkeit schwer entflammbar und Splitter sicher sind. 

 

Camper4all Fazit:

Die Zulassung eines selbst ausgebauten Wohnmobils ist nichts das man mal am Wochenende kurz erledigt, ebenfalls variieren die Voraussetzungen je nach Prüfstelle. Wir empfehlen dir schon vor der eigentlichen Prüfung und zu Beginn des Ausbaus Kontakt mit der Prüfstelle aufzunehmen und die entsprechenden technischen Datenblätter bei der Planung des Fahrzeuges zu berücksichtigen.  Hast du Fragen oder sind Dinge unklar ist es besser frühzeitig mit einem Prüfer in Kontakt zu stehen, wie später deinen Wohnmobilausbau noch einmal umzubauen.

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