Autark campen - Solarenergie im Campervan

Der Camper im Einklang mit der Natur, betrieben von nichts als Solarstrom... ist das möglich?

Wenn wir die Wahl zwischen zwei Optionen haben, sollten wir immer die nehmen, die umweltfreundlicher ist. Keiner will den gefährlichen Zustand der Welt noch verschlechtern und besonders wir Camper wollen, dass auch unsere Nachfahren noch die atemberaubende Natur Europas genießen können.Doch besonders als Camper ist das eben nicht so einfach. Denn wir schieben unsere Camper eben nicht, sondern müssen sie mit Treibstoff antreiben.

Auch wenn das nicht mehr Diesel, Super oder ein anderer Treibstoff von der Tanke ist, wissen wir auch beim Elektrovan nicht immer, wo der Strom denn herkommt. Daher ist der Traum vom solarbetriebenen Van etwas, das sich viele von uns wünschen. Denn das schont nicht nur die Umwelt, sondern würde uns auch erlauben überall, ohne Extrakosten nachzutanken! Klingt zu schön, um wahr zu sein?

Wir haben uns dieser Frage gewidmet, um für euch herauszufinden, wie realistisch der 100 % Solar-Camper denn ist.

Zunächst einmal: Wie viele Paneele würden wir brauchen?

Kurze Antwort: Kommt auf die Paneele an.

Lange Antwort: Solarpaneelen kommen in unterschiedlichen Stärken. Die Frage ist also eher, wie stark die Solarpaneele sein müssen und wie viel Platz sie abdecken müssen, als wie viele man braucht. Die Stärke der Paneele wird in Watt gemessen und basiert hauptsächlich auf der Größe der Paneele, wobei auch andere Faktoren relevant sind. Generell werden Solarpaneelen in Stärken zwischen 100 und 360 Watt auf dem allgemeinen Markt verkauft.

Die Gesamtenergie, die aus Solarpaneelen gewonnen werden kann, ist also die Leistung (in Watt) aller Solarpaneelen zusammengerechnet. Diese muss dann mit den Batterien abgeglichen werden, mit denen das Fahrzeug läuft. Hier gibt es starke Varianz je nach Modell und Hersteller, aber im Durchschnitt speichert eine einzelne Autobatterie um die 1280 Watt (Üblicherweise ist das eher in Kilowattstunden (kWh) angegeben, wobei 100 von denen ca. 1280 tatsächlich nutzbaren Watt entsprechen).

Je nach Modell und Hersteller bringen einen diese 100 kWh allerdings sehr unterschiedlich weit. Im Test des ADAC wurden teilweise gravierende Energieverluste in Elektrofahrzeugen festgestellt. In vielen Fällen gab es auch enorme Unterschiede zwischen dem angegebenen Verbrauch und dem tatsächlichen. Während der Polestar 2 Long Range Dual Motor beispielsweise einen Verbrauch von 19,3 kWh pro 100 km angibt, verbraucht er tatsächlich eher 29,3, also fast eineinhalb mal so viel wie angegeben. Wer also zwischen den Solarpausen ordentlich Distanz zurücklegen möchte, sollte sich erstmal ansehen, wie viel Strom der Elektrovan eigentlich frisst.

Der nächste Faktor ist Zeit. Solarenergie kann eben nur gewonnen werden, während die Sonne scheint, am besten ohne zu starke Bewölkung. Je nach Jahreszeit kann das leicht zwischen drei und acht Stunden schwanken. Um 1280 Watt zu erreichen bräuchte man also im Winter um die 400 Watt an Paneelen, um in der begrenzten Zeit den Tank komplett zu füllen, während man im Sommer zu manchen Zeiten nur 150 Watt bräuchte.

Also zurück zum Anfang: Ist das realistisch? Wenn man sich die Durchschnittsgrößen von Solarpaneelen anguckt, kommt man bei einer 100 Watt Paneele auf ungefähr 1 x 0,5 Meter. Nebeneinander aufgereiht, heißt das also, dass man, wenn man mit Sommerzahlen rechnet, oder sogar großzügig auf 200 Watt geht, nur einen Quadratmeter braucht, um genug Energie für eine Tankfüllung einzufangen, wenn man tatsächlich den ganzen Tag tankt, was besonders auf einem Campingplatz wirklich nicht abwegig ist.

Im Winter wäre diese Zahl gedoppelt, wobei man da auch damit rechnen muss, dass manche Tage eben nur eine oder zwei brauchbare Sonnenstunden bieten. Also ist es vielleicht nicht immer möglich den Elektrovan völlig autark zu betreiben…

Was aber nicht heißt, dass man in solchen Fällen nicht dann doch an der Elektrozapfsäule etwas nachhelfen kann! Auf jeden Fall reicht es, um den Tank größtenteils direkt mit Solarenergie zu befüllen!